Plastikmüll in den Weltmeeren

Schätzungen zufolge gelangen jährlich mehr als zehn Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere. Allein im Nordpazifik treibt ein Müllteppich mit einer größeren Fläche als Deutschland. Und das ist nur ein Bruchteil der Gesamtmenge: Rund 90 % des Plastiks sinken auf den Meeresboden und überziehen diesen mit einer Schicht aus Müll. Die Wasserverschmutzung durch Plastik hat längst ein bedrohliches Ausmaß angenommen. Jedes Jahr verenden unzählige Vögel und Meerestiere an Plastik: Sie verfangen sich darin und sterben oder verhungern, obwohl ihr Magen voll von Abfall ist. Nicht weniger bedrohlich ist außerdem die stetig wachsende Menge an Mikroplastik im Meer. Aufgrund der geringen Partikelgröße gelangt immer mehr Mikroplastik direkt aus dem Wasser in die Nahrungskette – bis in den menschlichen Körper.

Woher stammt der Plastikmüll und wie gelangt er in die Meere?

Das Plastik, das den Weg in die Ozeane findet, stammt aus unterschiedlichen Quellen. In manchen Ländern wird Müll noch immer direkt ins Meer entsorgt. Andernorts sind es zu nah am Wasser errichtete Mülldeponien, die sich durch Verwehung und Erosion allmählich in das Meer verlagern. Hinzu kommt der Abfall aus der Seefahrt. So treiben beispielsweise neben Verpackungsmüll und Plastikflaschen auch zahlreiche alte Fischernetze im Meer.

Außerdem trägt immer mehr Mikroplastik dazu bei, dass die Verschmutzung ungeahnte Ausmaße annimmt. Allein in Deutschland bestehen laut Fraunhofer-Institut die jährlichen Plastikemissionen, also an die Umwelt abgegebene Plastikabfälle, derzeit zu 74 % aus Mikroplastik. Diese winzigen Plastikteilchen können entstehen, wenn sich durch Abrieb oder Verwitterung Teile größerer Plastikprodukte lösen. In Industrienationen wird Mikroplastik aber auch gezielt hergestellt. Es wird als Schleifmittel zahlreichen Kosmetikartikeln zugesetzt, die wie Zahnpasta oder Peelings mit einer besonders starken Reinigungswirkung werben. Nach der Verwendung gelangt das Plastik allerdings in unser Abwasser – und von dort aus ins Meer. Modern ausgerüstete Kläranlagen verfügen zwar über ausreichend feine Filter, um die Teilchen zu entfernen, doch ist dies nicht überall der Standard. Zudem verweht der Wind Mikroplastik auch in Flüsse, Seen oder direkt ins Meer, während der Regen es ins Grundwasser und von dort aus ebenfalls bis in die Ozeane schwemmt.

Wie wirkt sich das Plastik im Meer auf den Menschen aus?

Welche Auswirkungen Plastik auf den menschlichen Körper hat, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Da das Problem ein vergleichsweise junges ist, mangelt es an Studien zur Entstehung eventueller Langzeitschäden. Bekannt ist jedoch bereits heute zweierlei: Zum einen kann sich Plastik in lebenden Organismen ablagern – und das nicht nur im Magen von Meerestieren. Mikroplastik kann sich direkt im Gewebe und sogar im Blut ansammeln. Zum anderen enthält ein großer Teil des Plastiks, das im Meer treibt, Weichmacher. Diese beeinträchtigen den Hormonhaushalt von Mensch und Tier und werden auch mit der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht. Nicht nur durch den Verzehr kontaminierter Fische und Meeresfrüchte kann daraus eine Gefahr für den Menschen entstehen. Auch Organismen wie Muscheln oder Korallen, die zentral für den Erhalt des Ökosystems der Weltmeere und damit für das weltweite Klima sind, reagieren empfindlich auf die giftigen Inhaltsstoffe des Plastiks.

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