Was tun bei Legionellen? Infos für Mieter, Vermieter und Co.

was tun bei Legionellen als Mieter oder Vermieter

Was tun bei Legionellen? Das fragen sich Vermieter, Mieter und auch andere Betroffene wie beispielsweise Zahnärzte spätestens dann, wenn ein Legionellenbefall des eigenen Leitungswassers nachgewiesen wurde. Wir fassen zusammen: Was tun bei Legionellen als Mieter, was müssen Vermieter bei Legionellen beachten, wann macht ein Legionellentest Sinn, wann ist er Pflicht und wie handeln Zahnärzte und Co. idealerweise, um ihre Patienten zu schützen?

Legionellen kommen im Wasser vor und vermehren sich insbesondere bei Temperaturen von 25 bis 50°C. Dadurch fühlen sich die Bakterien in Warmwasserleitungen sowie Duschköpfen und Sauna-, Whirlpool- oder Klimaanlagen besonders wohl. Legionellen werden über die Atemwege aufgenommen und können schwere Lungenentzündungen auslösen, die im schlimmsten Fall tödlich enden. Die Trinkwasserverordnung verpflichtet Eigentümer von Wohngebäuden oder Großanlagen dazu, das Trinkwasser regelmäßig auf Legionellen zu testen, um eine gesundheitliche Beeinträchtigung der Mieter und Nutzer zu verhindern. Doch was tun bei Legionellen?

Was tun bei Legionellen? Rechte und Pflichte von Mietern und Vermietern gemäß Trinkwasserverordnung

Fakten:

  • Gemäß Trinkwasserverordnung müssen neben öffentlichen Gebäuden wie Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern seit der Novellierung im November 2011 unter gewissen Umständen auch Vermieter das Trinkwasser, das sie ihren Mietern anbieten, regelmäßig auf Legionellen kontrollieren.
  • Diese Untersuchung betrifft Immobilien, deren Wassertank mehr als 400 Liter Trinkwasser fasst oder deren Trinkwasserleitungen intern ein Volumen von 3 Litern zwischen dem Wasserspeicher und der Zapfstelle überschreitet.
  • Somit sind vor allem Vermieter von Mehrfamilienhäusern zu dieser jährlichen Untersuchung verpflichtet, in manchen Fällen auch Vermieter von Einfamilienhäusern, sofern das genannte Tank- oder Leitungsvolumen überschritten wird.

Als Vermieter: Was tun bei Legionellen?

Verwalter und Vermieter haben als ersten Schritt die Anzeigenpflicht bei Legionellenbefall zu beachten. Wird der zulässige Grenzwert von 100 KbE (Kolonie bildende Einheiten) je 100 Milliliter Trinkwasser überschritten, sind Mieter und Nutzer des Trinkwassers beispielsweise über Aushänge im Treppenhaus zu informieren. Diese Anzeigenpflicht besteht außerdem dem zuständigen Gesundheitsamt gegenüber. Wird diese Meldepflicht versäumt, sind Bußgelder nicht ausgeschlossen.

Je nach Belastungsgrad des Wassers sind nun weitere Schritte notwendig, wozu das zuständige Gesundheitsamt gegebenenfalls die Desinfektion der Trinkwasserinstallation bis hin zur Sanierung der gesamten Installation als notwendig erachten kann. Gegebenenfalls kann bei einer Legionellenkonzentration, die höher als 10.000 KbE je 100 Milliliter Wasser ist, ein Duschverbot vom Gesundheitsamt verhängt werden.

Sanierungsmaßnahmen sind schnellstmöglich einzuleiten. Hierbei liegt der Fokus darauf, Fehlerquellen zu finden und zu beseitigen. Zu den häufigsten Ursachen für Legionellenbefall zählen beispielsweise:

  • Totleitungen, die nach Umbaumaßnahmen nicht fachgerecht entfernt wurden.
  • Probleme in der Warmwasseraufbereitung oder dem Wärmetauscher.
  • Mängel in der Isolierung der Leitungen.

 Weitere Informationen zu den häufigsten Schwachstellen finden Sie in diesem Beitrag.

 

Das Gesundheitsamt kann, wenn bereits eine Legionellenkontamination vorlag, die Intensität der folgenden Kontrollen verstärken. So kann es beispielsweise sein, dass eine weitere Wasseranalyse nach etwa drei Monaten notwendig wird. Generell empfiehlt sich der enge Kontakt zum zuständigen Gesundheitsamt, sobald Legionellen im Leitungswasser des eigenen Mietshauses nachgewiesen und Grenzwerte überschritten wurden.

Wird die regelmäßige Legionellenprüfung versäumt, kann das für den Vermieter immense Strafen nach sich ziehen, sollte ein Mieter an einer Legionelleninfektion erkranken. Auch wenn es für die Gesundheitsämter beispielsweise bei kleineren Mietshäusern kaum nachvollziehbar sein kann, ob die regelmäßige Prüfung durchgeführt wird, da keine prinzipielle Nachweispflicht besteht, kann im akuten Fall einzig der Nachweis über die Legionellenfreiheit des Wassers helfen um nachzuweisen, dass sich der Nutzer anderenorts mit Legionellen infiziert hat. Denn der Vermieter ist verantwortlich dafür, jederzeit nachweisen zu können, dass das Wasser, das er den Verbrauchern zur Verfügung stellt, absolut bedenkenlos genutzt und getrunken werden kann. Kann er dies aufgrund von versäumten Legionellenprüfungen nicht nachweisen, wird im Zweifelsfall davon ausgegangen, dass die Legionelleninfektion innerhalb des Mietshauses stattfand und sowohl Schadensersatz als auch Schmerzensgeld können zum Thema werden.

Als Mieter – was tun bei Legionellen?

Fakt ist, dass der Vermieter die Kontrollpflichten zur Legionellenuntersuchung in Mietshäusern ab einer gewissen Größe lückenlos einzuhalten hat. Tritt ein Legionellenbefall auf, hat der Vermieter sämtliche Verbraucher davon zu informieren. Wird diese Untersuchung oder aber die Information versäumt, kann das immense rechtliche Folgen für den Vermieter haben. Prinzipiell können sich Mieter daher in der Theorie darauf verlassen, dass ihr Leitungswasser regelmäßig untersucht wird, sofern die Immobilie die oben genannten Kriterien zur Pflichtuntersuchung erfüllt.

Gerade in Einfamilienhäusern jedoch sind Mieter gut beraten, ihr Wasser auch selbst analysieren zu lassen, da hier durch die Trinkwasserverordnung gegebenenfalls keine derart engmaschigen Kontrollen vorgesehen sind.

 Erfahren Sie mehr zum Wassertest auf Legionellen.

 

Tritt ein akuter Legionellenbefall auf, sollten Mieter das Wasser nach Möglichkeit nicht zum Duschen oder Putzen verwenden. Legionellen werden über die Atemwege aufgenommen und sind daher insbesondere bei der Körperhygiene eine Gefahr. Gegebenenfalls sollte mit dem Vermieter besprochen werden, ob die Warmwasseraufbereitung in diesem akuten Fall bezüglich der Erhitzung des Warmwassers angepasst wird. Legionellen sterben nach einer Erhitzung des Wassers auf 60 Grad ab. Allerdings gilt es zu beachten, dass auch dann eine Infektion nicht ausgeschlossen ist, da sich Legionellen auch in Totleitungen und Duschköpfen sowie wenig genutzten Leitungen vermehren können.

 

Fazit: Was tun bei Legionellen bei vermieteten Immobilien?

Prinzipiell trägt der Eigentümer der Immobilie die Verantwortung für die Unbedenklichkeit des Trinkwassers, das er Mietern und Nutzern anbietet. Dementsprechend sieht die Trinkwasserverordnung klare Kontrollintervalle vor sowie entsprechende Maßnahmen, die von Mietern aber vor allem Vermietern befolgt werden müssen.

Besteht der begründete Verdacht auf Legionellen, sollten Mieter den Eigentümer informieren und gegebenenfalls selbst oder in Absprache einen Legionellentest durchführen. Tritt eine erhöhte Legionellenkonzentration auf, ist das Gesundheitsamt in Kenntnis zu setzen. Dieses informiert Eigentümer über die jeweils festgelegten Maßnahmen, die laut Trinkwasserverordnung ergriffen werden müssen.

 Mehr Informationen zu den Rechten und Pflichten von Mietern und Vermietern finden Sie hier.

 

Weitere Informationen zur Trinkwasseruntersuchung und den gesetzlichen Vorgaben für Vermieter finden Sie außerdem hier.

 

Legionellen, was tun als Zahnarzt oder in öffentlichen Einrichtungen?

Gerade in der Zahnarztpraxis sind Legionellen eine besondere Gefahr. Auch wenn das den Patienten zur Verfügung gestellte Wasser selten getrunken wird, besteht eine akute Gesundheitsgefahr für den Patienten. Denn Legionellen gelangen auch beim Ausspülen des Mundes oder über die zahnärztlichen wasserführenden Instrumente in die Atemwege des Patienten und können schwere Erkrankungen auslösen. Die regelmäßige Kontrolle ist daher unausweichlich und sollte fest im Hygieneplan der Praxis verankert sein.

 Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel zum Thema Wasserhygiene in der Zahnarztpraxis

 

Wird in einer Zahnarztpraxis ein Legionellenbefall nachgewiesen, sollte das Leitungswasser zunächst nicht genutzt und mit dem zuständigen Gesundheitsamt Kontakt aufgenommen werden, um weitere Maßnahmen zu besprechen. Auch hier können die Maßnahmen von der Desinfektion bis hin zur Sanierung der Trinkwasserinstallation reichen. Gegenbebenfalls ist auch hier der Eigentümer der Immobilie zuständig, sofern es sich nicht um Eigentum des Zahnarztes handelt. Die Ursachensuche steht wie generell bei einem Legionellenbefall an erster Stelle, um möglichst zügig Problemlösungen zu finden und umzusetzen.

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