Warnsystem Geschmacksknospen – Welche Ursachen kann ein erhöhter Chlor-, Eisen- oder Schwefelgehalt im Trinkwasser haben?

Im menschlichen Mund finden sich nahezu 10.000 Geschmacksknospen, wobei jede noch einmal jeweils 50 bis 100 Geschmackssinneszellen aufweist. Diese können nicht nur die bekannten Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami erkennen, sondern dienen sogar als Warnsystem des Körpers.

Woran erkennt man Chlor, Eisen oder Schwefel im Trinkwasser?

Chlor ist am einfachsten an seinem typischen Geruch zu erkennen. Jeder, der schon einmal im Schwimmbad gewesen ist, kennt diesen unverwechselbaren Chlorgeruch. Zu schmecken ist Chlor im Trinkwasser allerdings nicht, daher erkennt man einen erhöhten Chlorgehalt im Trinkwasser nur mittels eines Geruchstests. Dahingegen lässt sich Eisen im Wasser über die Geschmacksknospen feststellen, wenn das Trinkwasser metallisch schmeckt. Dieser metallische Geschmack ist vergleichbar mit dem von Blut. Am auffälligsten von allen drei Stoffen im Trinkwasser ist wohl Schwefel, da das Wasser bei einer erhöhten Schwefelkonzentration sehr markant nach faulen Eiern riecht. Da es im Trinkwasser ebenso wie Chlor geschmackslos ist, lässt sich eine erhöhte Konzentration ebenfalls nur durch den Geruchstest feststellen.

Warum kommen diese Stoffe im Leitungswasser vor?

Einige Wasserversorger in Deutschland benutzen Chlor, um Bakterien, Viren und Mikroorganismen abzutöten. Besonders häufig entsteht der Chlorgeruch bei Einschwemmungen von Schmutz in das Grund- und Flächenwasser, beispielsweise bei Erdrutschen oder Unwettern. Denn dann müssen die Versorger das Wasser mit Chlor desinfizieren, was zu einer erhöhten Konzentration führt. Ein zu hoher Eisenwert liegt vor, wenn die Leitungsrohre zu einem Großteil aus Eisen bestehen. Dadurch gelangen Eisen-Ionen in das Trinkwasser und verursachen den typischen Geschmack. Auch wenn die Eisenrohre verzinkt wurden, kann der charakteristisch metallische Geschmack festgestellt werden, da sich die Zinkschicht mit der Zeit langsam auflöst. Die Schwefelverbindung Sulfat kommt natürlicherweise im Wasser vor und ist, geruchlos und ohne Grenzwertüberschreitung nicht gefährlich. Ein unangenehmer Schwefelgeruch des Wassers kann hingegen mehrere Ursachen haben: So können sich entweder Schwefelbakterien und Schwefelwasserstoff in der Wasserversorgung befinden oder die Ursache liegt in einer chemischen Reaktion im Heißwasserboiler. So kann das Sulfat in Verbindung mit Eisen (zum Beispiel auch durch alte Armaturen) zum stinkenden Schwefelwasserstoff umgewandelt werden.

Wie gefährlich sind diese Stoffe im Trinkwasser?

Grundsätzlich ist Chlor im Trinkwasser für den menschlichen Körper unbedenklich, soweit der Grenzwert nicht überschritten wird und die erhöhte Konzentration nur vorübergehend ist. Bei Überschreitung der Grenzwerte sind die Wasserversorger verpflichtet, die Konsumenten darüber zu informieren. In diesem Fall sollte das Wasser nicht mehr getrunken werden. Darüber hinaus kann eine eventuelle Gesundheitsgefährdung für Schwangere und stillende Mütter nicht ausgeschlossen werden, auch wenn der Chlorgehalt noch knapp unter dem Grenzwert liegt. Auch bei Eisen ist erst eine Überdosis gesundheitsschädlich. Übersteigt die Eisenzufuhr 15 mg am Tag, kann es zu Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen kommen. Der menschliche Körper benötigt Schwefel für den Eiweißstoffwechsel, weshalb es nicht gefährlich ist. Anders verhält es sich mit den zahlreichen Schwefelverbindungen. Sulfat sollte im Trinkwasser einen Wert von 250 mg/l nicht überschreiten, da es sonst auf den Körper abführend wirken kann und eine Geschmacksveränderung begünstigt. Zudem fördert ein erhöhter Sulfat-Gehalt noch ein weiteres Problem: Die Leitungsrohre korrodieren. Dies erhöht die Gefahr von Wasserrohrbrüchen und beeinträchtigt die Wasserqualität. Auch Schwefelwasserstoff im Wasser wirkt übrigens abführend und ist in hoher Konzentration giftig. Ob Ihr Leitungswasser unbedenklich ist, können Sie ganz leicht mit einem Wassertest überprüfen lassen.

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