Verbraucher zunehmend verunsichert: Mikroplastik im Leitungswasser?

mikroplastik im leitungswasser

Dass Plastik aus umwelttechnischer Sicht ein großes Problem ist, ist längst keine Neuigkeit mehr. Mittlerweile finden sich die Überreste unseres Abfalls überall – auch als Mikroplastik im Leitungswasser. In Amerika hat sich eine großangelegte Studie mit Mikroplastik in Leitungswasserproben aus der ganzen Welt befasst. Dabei stellte sich heraus: Auch wenn das deutsche Trinkwasser höchster Qualität entspricht und einen dementsprechend annähernd makellosen Ruf besitzt, fand sich auch in diesen Proben Mikroplastik im Leitungswasser.

Zu diesem Ergebnis kam die Studie der NGO „Orb Media“, währen derer in Kooperation mit der University of Minnesota Leitungswasser auf Mikroplastik untersucht wurde. Anreiz und Leitfaden für diese Studie war die Frage, ob sich die Problematik des Mikroplastik ausschließlich auf die Umwelt konzentriert, also auf Meere, Seen und Flüsse, oder auch auf das beispielsweise in Deutschland enorm hochwertige Trinkwasser aus der Leitung. Insgesamt wurden 159 Wasserproben aus aller Welt analysiert. Proben aus mehr als einem Dutzend Ländern wurden professionell untersucht. In über 80 Prozent der analysierten Wasserproben wurde Mikroplastik gefunden.

USA laut Studie Spitzenreiter – doch auch in Europa findet sich Mikroplastik im Leitungswasser!

Mikroplastik im Leitungswasser ist vor allem in den USA ein Thema, wie die Analyseergebnisse zeigten. Hier war in mehr als 90 Prozent der Proben Mikroplastik zu finden. Annähernd ebenso belastet waren die Proben aus Indien und dem Libanon.

Die europäischen Wasserproben wiesen am wenigsten Mikroplastik auf. Neben Frankreich und Großbritannien zählten die deutschen Proben zu den am wenigsten belasteten. Doch auch bei den deutschen Leitungswässern fanden sich in immerhin 72 Prozent der Proben Plastik-Partikel.

 

Mikroplastik im Leitungswasser – wie gelangen Plastikpartikel ins Trinkwasser?

Bis dato ist nicht restlos geklärt, wie das Mikroplastik ins Leitungs- und Trinkwasser gelangt. Möglich sei so vor allem, dass die Plastik-Partikel über die Atmosphäre ins Wasser gelangen. Beispielweise über Wäschetrockner oder auch Entlüftungssysteme gelangen ohne unser Zutun Kunstfaserteilchen in die Luft und somit schlussendlich ins Niederschlags-, Flächen- und Grundwasser. Neben diesen möglichen Faktoren können jedoch auch die in unseren Wassersystemen verbauten Materialien eine Ursache für das Mikroplastik im Leitungswasser sein.

Mikroplastik kann bis dato nicht absolut aus dem Wasser herausgefiltert werden. Die mikroskopisch kleinen Teilchen passieren auch die feinsten aktuell bekannten Wasserfilter und gelangen so quasi unaufhaltsam immer wieder in den Wasserkreislauf und schlussendlich auch in unser Trinkwasser.

 

Wie gefährlich ist Mikroplastik im Leitungswasser?

Bisher weiß die Forschung auf die Frage nach den genauen Auswirkungen von Mikroplastik im Leitungswasser auf den menschlichen Organismus keine exakte Antwort. Dramatisch sind jedoch die bisherigen Erkenntnisse aus dem Bereich der Meeres- und Umweltforschung. Fische und andere Meeresbewohner nehmen das Mikroplastik sowohl über die Nahrung als auch durch Filtration des Meereswassers auf. Die Folgen sind neben physiologischen Störungen unter anderem vermehrte Tumorbildung sowie eine deutlich erhöhte Sterberate bei Meerestieren.

Sollten Verbraucher auf Mineralwasser aus der Flasche umsteigen?

Auch wenn noch nicht klar ist, ab welcher Dosierung es wirklich gefährlich wird, ist doch klar: Mikroplastik ist auch für den Menschen nicht gut. Was also sollten Verbraucher aus diesen Ergebnissen schlussfolgern? Ist der Umstieg auf Flaschenwasser die Lösung? Nein, wie die Studie ebenfalls aufdeckte. Auch im Flaschenwasser fanden sich Plastik-Partikel.

Außerdem: Prinzipiell wird Deutschlands Trinkwasser strenger und häufiger kontrolliert als Flaschenwasser. Das fand unter anderem die Stiftung Warentest heraus. Hier schnitt nur jedes dritte Mineralwasser mit der Note „Gut“ ab, es fanden sich sogenannte „unerwünschte Spuren“ aus der Industrie, dem Haushaltsabwasser oder der Landwirtschaft. Flaschenwasser ist also keine wirkliche Alternative.

Mikroplastik kann bis dato noch nicht vollständig vermieden werden. Doch die Wissenschaft arbeitet daran, auch hier möglichst bald Filter zu entwickeln, die selbst diese minimalen Partikel restlos aus dem Wasser entfernen. Auf Leitungswasser verzichten müssen wir daher noch nicht, denn gerade das deutsche Trinkwasser ist das am besten kontrollierteste Lebensmittel der Welt.

Reale Gefahren im Leitungswasser: Schwermetalle und Bakterien

Doch auch wenn Mikroplastik im Leitungswasser nach jetzigen Forschungen keine bedeutende Gefahr für die Gesundheit des Menschen bedeutet, sollten Verbraucher sich nicht allein auf die Trinkwasserqualität, die von den Wasserwerken versprochen und gewährleistet wird, verlassen.

Vielen Konsumenten ist beispielsweise nicht klar, dass die größten Gefahren für die Gesundheit nicht etwa in dem Trinkwasser lauern, das wir von den Versorgern beziehen. Tatsächlich wird das Leitungswasser in aller Regel erst in den hausinternen Leitungen der Verbraucher verunreinigt und belastet. Verantwortlich dafür ist der Hauseigentümer. Hier sind vor allem veraltete oder nicht ausreichend gewartete Leitungen ein Problem. Durch sie gelangen beispielsweise giftige Schwermetalle wie Blei ins Trinkwasser. Ebenfalls eine Hauptursache für belastetes Wasser ist außerdem etwa die Warmwasseraufbereitung. Hier vermehren sich Bakterien und Keime, etwa Legionellen, besonders schnell und zunächst unbemerkt. Gesundheitliche Beschwerden werden dann oft viel zu spät oder gar nicht mit Verunreinigungen des Leitungswassers in Verbindung gebracht.

Erfahren Sie mehr zum Thema „Giftige Schwermetalle im Leitungswasser“ hier im Magazin.

 

Weitere Informationen zu Bakterien und Keimen im Trinkwasser finden sie ebenfalls hier im Magazin.

 

Wie Sie Ihr Wasser auf Bakterien und Schwermetalle testen lassen können, erfahren Sie hier im Magazin oder direkt im IVARIO-Shop.

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