Gesamtkeimzahl bei 20 °C und 36 °C – Was ist das und was wird untersucht?

Die Gesamtkeimzahl wird von der deutschen Trinkwasserverordnung als Parameter für die Reinheit des Leitungswassers verwendet. Jedoch ist der Begriff offiziell veraltet, da dieser 1975 durch KBE (Koloniebildende Einheiten) ersetzt wurde. Umgangssprachlich wird die Gesamtkeimzahl allerdings weiterhin verwendet. Dieser Wert wird mithilfe von speziellen Wasseranalysen bei 20 °C (in vielen Fällen 22 °C) und 36 °C ermittelt. In der Analyse zählen die Analytiker dann die Keime, die sich in einem Milliliter Trinkwasser befinden.

Wie wird die Gesamtkeimzahl im Labor ermittelt?

Um die Anzahl der KBE zählen zu können, macht man diese erst einmal sichtbar. Dafür wird jeweils ein Milliliter des zu prüfenden Wassers auf ein Nährmedium gegeben, welches das Wachstum der einzelnen Bakterien beschleunigen soll. Die Proben werden dann jeweils bei 20 °C und 36 °C für zwei Tage in einem Wärmeschrank gelagert. Danach lassen sich die dadurch vermehrten Bakterienkolonien oft mit bloßem Auge erkennen (meist in Form von Punkten). Diese können jetzt ohne ein Mikroskop gezählt werden. Tatsächlich muss Leitungswasser nicht absolut keimfrei sein. Der Wert von 100 KBE darf jedoch nicht überschritten werden. Außerdem wird bei diesen Tests nicht nur die gesamte Anzahl der Bakterienkolonien gemessen, sondern auch gezielt nach Enterokokken-Stämmen und E.-coli-Bakterien gesucht. Können diese gefunden werden, deutet dies auf eine Verschmutzung des Wassers durch Fäkalien hin. Das Leitungswasser gilt dann als nicht mehr trinkbar. Solchen und ähnlichen Risiken können Sie vorbeugen, indem Sie einen Wassertest machen.

Warum wird die Gesamtkeimzahl ermittelt?

Viele Bakterien können beim Menschen Krankheiten auslösen. Allerdings können selbst „harmlose“ Bakterien Menschen mit einem geschwächten Immunsystem gefährlich werden. Dies trifft beispielsweise auf Senioren, Kleinkinder und Menschen, die medikamentös behandelt werden, zu. Auch in Krankenhäusern und Arztpraxen sollten diese Bakterien nicht auftreten, da die Bakterien in offene Wunden gelangen und so Infektionen hervorrufen können. Die Temperaturen von 20 °C und 36 °C wurden bei diesem Test daher bewusst gewählt.

Die Temperatur von 20 °C beschreibt die durchschnittliche Temperatur von Wasser. Bakterien, die bei dieser Temperatur in der Probe entdeckt werden, kommen meist natürlich im Wasser vor. Dies bedeutet, dass die gefundenen Bakterien höchstwahrscheinlich für den Menschen unbedenklich sind.

Die normale Körpertemperatur von Menschen und den meisten Säugetieren liegt bei rund 36 °C. Bakterien, die bei dieser Temperatur in der Probe zu entdecken sind, können sich also bei Körpertemperatur vermehren und müssen deshalb näher untersucht werden. Hauptsächlich Fäkalbakterien vermehren sich bei 36-37 °C, weshalb ein erhöhter KBE-Wert bei diesen Temperaturen bereits auf eine Gesundheitsgefährdung durch das Trinkwasser hindeuten kann.

Warum wurde der Grenzwert auf 100 KBE/ml gesetzt?

1892 gab es den letzten Ausbruch der Cholera in Hamburg. Unter Mithilfe von Robert Koch wurde damals festgestellt, dass die Infektionsgefahr bei einer Bakterienkonzentration von unter 100 KBE/ml fast nicht mehr existiert. Dieser Wert traf dabei nicht nur auf Cholerabakterien, sondern auch auf die Typhus-Erreger und andere Bakterienstämme zu. Der Grenzwert gilt deswegen seither als das Maximum der zumutbaren Keimbelastung für unser Trinkwasser.

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