Verbraucher nach wie vor unsicher: Wasser aus der Leitung oder aus der Plastikflasche?

Wasser aus der Leitung - oder lieber nicht?

Wasser aus der Leitung ist hierzulande eine Selbstverständlichkeit. Es wird zum Putzen, Waschen, zur Körperhygiene oder auch zum Kochen genutzt. Haben wir Durst, greifen allerdings viele von uns zum Wasser aus der Plastikflasche. Doch warum eigentlich? Ist das Wasser aus der Leitung weniger gesund als Flaschenwasser? Warum schleppen wir Kisten und Packungen, statt einfach den Hahn aufzudrehen und das Wasser aus der Leitung zu zapfen?

Wasser aus der Plastikflasche – nicht unbedingt eine gute Alternative

In der Werbung wird aus einem einfachem Rohstoff wie Wasser auf raffinierte Art und Weise ein Premiumprodukt. Und das, obwohl Wasser am Ende einfach nur Wasser ist: Gewonnen aus Grundwasser, genau wie ein großer Teil des deutschen Trinkwassers. Dabei wird Mineralwasser in aller Regel nicht einmal besonders aufbereitet. Trotzdem wird der „hohe Mineralstoffgehalt“ und die „absolute Reinheit“ angepriesen und der Liter Mineralwasser teuer an den Mann oder die Frau gebracht. Wie viel – oder eben wenig – Wahrheit hinter dem Reinheitsversprechen tatsächlich steckt, deckte die Stiftung Warentest auf. Die teils überaus unbefriedigenden Ergebnisse haben wir in einem Bericht für euch zusammengefasst.

Doch auch abseits der Prüfungen der Stiftung Warentest gibt es genug Gründe, die das Wasser aus dem Hahn zu einer sinnvollen Alternative machen. Beispielsweise entspricht das Wasser aus der Leitung in Deutschland den Vorgaben der Trinkwasserverordnung und ist somit einwandfrei. Weitere Gründe, warum in Plastikflaschen abgefülltes Wasser nicht die erste Wahl sein sollte, aber auch die Antwort auf die Frage, warum ein Leitungswassertest trotz allem von Experten empfohlen wird, haben wir im Nachfolgenden für euch zusammengetragen, um euch die Entscheidung der Wasserwahl zu erleichtern.

Repräsentative Umfrage zeigt: So beliebt ist deutsches Leitungswasser!

Die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von „Forum Trinkwasser“ sprechen eine klare Sprache: Das Trinkwasser aus der Leitung kommt sehr gut bei den deutschen Konsumenten an. 76 Prozent der Befragten gaben an, im Jahr 2015 Trinkwasser aus der Leitung zu Hause getrunken zu haben. Als Grund für diese Entscheidung gaben 90 Prozent der Befragten an, dass es sowohl gut schmecke als auch als sicheres Nahrungsmittel wahrgenommen werde.

Weitere Argumente für die Nutzung von Leitungswasser als Trinkwasser sind etwa die Sauberkeit, die Gesundheit – aber auch die Umweltfreundlichkeit.

Sauberkeit: eindeutige Pluspunkte für Leitungswasser bei der Qualitätskontrolle

Beide Varianten, sowohl das Wasser aus der Leitung als auch das Flaschenwasser, durchlaufen in Deutschland strenge Kontrollen, ehe sie ins Verteilernetz der Wasserversorger bzw. in den Handel gelangen. Hier greift zum einen die Trinkwasserverordnung für das Wasser, das wir von den öffentlichen Wasserversorgern erhalten. Zum anderen greift für das Flaschenwasser die Mineral- und Tafelwasserverordnung.

Die Qualität des Leitungswassers in Deutschland wird penibel und engmaschig kontrolliert. Der Wasserversorger trägt bis zum Übergabepunkt des Wassers, also in aller Regel bis zur Wasseruhr, die Verantwortung dafür, dass weder Verunreinigungen mikrobiologischer Art, noch durch Schwermetalle oder andere gefährliche Stoffe entstehen. Bis zu diesem Übergabepunkt werden alle Grenzwerte und Vorschriften, die in der Trinkwasserverordnung festgelegt sind, eingehalten. Für den restlichen Weg des Wassers durch die hausinternen Leitungen ist jedoch der Hauseigentümer verantwortlich. Dementsprechend hat dieser dafür Sorge zu tragen, dass das Wasser auch hier nicht belastet wird.

Die Trinkwasserverordnung: Entsprechend der Trinkwasserverordnung wird das Wasser auf mehr als 50 verschiedene Parameter chemischer, mikrobiologischer oder physikalischer Art kontrolliert. Grundlage für diese Richtlinien ist die EU-Trinkwasserverordnung, die wiederum auf WHO-Richtlinien basiert.
Die Mineral- und Tafelwasserverordnung: Im direkten Vergleich mit der Trinkwasserverordnung fällt auf, dass bei der Kontrolle von Mineralwässern deutlich weniger Parameter auf dem Prüfstand stehen, darunter etwa Pestizide.

Leitungswasser steht teurem Flaschenwasser also bezüglich der Qualität in nichts nach, sofern auch innerhalb des Hauses keine Belastungen auftreten. Diese können durch einen einfachen Wassertest ausgeschlossen oder erkannt werden.

Übrigens: Auch die Stiftung Warentest hat das deutsche Leitungswasser mit Flaschenwasser verglichen und kam zu eindeutigen Ergebnissen, die ganz klar für das Wasser aus der Leitung sprechen. Mehr zur Trinkwasser-Untersuchung der Stiftung Warentest 2016 lest ihr natürlich hier im Magazin.

Irrglaube: Trinkwasser wird nicht aus Abwasser gewonnen!

Hartnäckig hält sich der Irrglaube, dass unser Trinkwasser aus aufbereitetem Abwasser bestünde. Dem ist jedoch nicht so. Der Löwenanteil unseres Trinkwassers wird aus Grundwasser gewonnen. Daneben fließt Wasser aus Seen und Flüssen sowie Quellwasser in die Trinkwasseraufbereitung. Die Chlorung des Wassers ist nach dieser Aufbereitung nur in Ausnahmefällen notwendig. Unser Abwasser wird dagegen in geklärtem Zustand dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt.

Mineralstoffgehalt: Was ist gesünder, Leitungswasser oder Mineralwasser?

Deutsches Leitungswasser weist sehr hohe Mineralstoffwerte auf, denn es nimmt auf seinem Weg durch die Gesteinsschichten eine Vielzahl an Mineralstoffen auf, bevor es aufbereitet und an die Haushalte ausgeliefert wird – trotzdem werben Hersteller von Flaschenwasser mit dem höheren Mineraliengehalt. Tatsächlich werden Flaschenwässern häufig Mineralstoffe zugeführt. Wirklich bedeutsam für unsere Gesundheit ist dieser Faktor jedoch nicht. So kamen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass wir unseren Mineralstoffbedarf hauptsächlich durch die Nahrungsaufnahme decken und der erhöhte Mineraliengehalt des Wassers somit gar nicht relevant ist – denn ein etwaiger Mineralstoffüberschuss wird vom Organismus ungenutzt ausgeschieden.

Praktikabilität und Kosten: weniger schleppen, weniger zahlen

Nach dem (zumeist teuren) Einkauf die schweren Sixpacks oder gar Kisten nach Hause schleppen oder lieber gemütlich den Wasserhahn aufdrehen und sich genüsslich das Glas Wasser schmecken lassen? Ihr habt die Wahl! Wer Leitungswasser als Trinkwasser konsumiert, der hat kein Kistenschleppen, kein Pfandflaschensammeln und zurück in den Laden bringen und trotzdem hochwertiges Wasser! Zudem spricht die Haushaltskasse bei der Entscheidung ebenfalls eine ganz klare Sprache.

Durchschnittlich bezahlen wir in Deutschland für 1 Liter Mineralwasser zwischen 13 und 60 Cent, im Durchschnitt sind es etwa 50 Cent. Im direkten Vergleich bekommt man beispielsweise in Berlin für den gleichen Betrag mehr als 500 Liter Trinkwasser aus der Leitung, denn 1 Liter Leitungswasser kostet hierzulande durchschnittlich 0,2 Cent.

Umweltschutz: Leitungswasser ist regional und nachhaltig

Etwas leichter zu befördern als Glasflaschen sind Plastikflaschen. Jedoch: Kunststoff ist ein enormes Problem für die Natur. Ein nennenswerter Teil des Plastiks, der in der Umwelt landet, stammt von Plastikflaschen. Dieses Plastik wird nicht abgebaut. Obendrein findet die Herstellung des Materials unter Einsatz fossiler Brennstoffe statt. Und auch das Wasser aus der Plastikflasche leidet unter Umständen unter dem praktischen, aber auch problembehafteten Material: Immer wieder werden Fälle nachgewiesen, in denen der direkte Kontakt mit den verschiedenen Kunststoffen die Qualität des Wasser beeinträchtigt.
Auch bei der Alternative von Wasser in Glasflaschen wird eine Menge Energie verbraucht, etwa bei der Herstellung, den Wasch- und Befüllungsanlagen sowie dem Transport. Konsumieren wir Trinkwasser aus der Leitung, verzichten wir also auf jede Menge umweltschädliche Prozesse. Denn Leitungswasser ist im Vergleich enorm umweltfreundlich. Lediglich die Reinigung und Aufbereitung verbraucht Energie. Schlussendlich zeigen die Ökobilanzen jedoch ganz klar, dass Leitungswasser wesentlich nachhaltiger ist als Mineralwasser aus der Flasche.

Geschmack: immer gut gekühlt und auf Wunsch gesprudelt

Was den geschmacklichen Unterschied betrifft, ist es natürlich eine rein individuelle Entscheidung, zwischen Leitungswasser und Mineralwasser zu wählen. 50 Prozent der Befragten der Umfrage von „Forum Trinkwasser“, die Flaschenwasser bevorzugten, gaben als Grund hierfür den Geschmack an: Leitungswasser schmecke ihnen nicht.
Die Temperatur des Wassers, das aus der Leitung kommt, kann je nach Außentemperatur schwanken. Trotzdem ist es mit Sicherheit kühler und somit gerade im Sommer wohlschmeckender, als das Wasser aus der Flasche, das schon einige Zeit im Abstellraum steht. Während andere also noch mit Hilfe des Kühlschranks aus warmem Wasser eine kalte Erfrischung machen, können Leitungswasserfans jederzeit über eine Abkühlung aus dem Wasserhahn verfügen.
Ein weiteres Geschmacksplus: Mineralwasser schmeckt nach einiger Zeit nicht mehr frisch. Leitungswasser jedoch kennt dieses Problem nicht! Um Stagnationswasser in den Trinkwasserleitungen los zu werden, sollte das Wasser einfach einen Moment ablaufen und schon kommt das frische Wasser ins Glas.
Häufig entscheidet auch die Vorliebe für Kohlensäure über die Antwort auf die Frage: Leitungs- oder Mineralwasser? Das muss jedoch kein Hindernis für gewillte Leitungswassertrinker sein! Die Anschaffung eines Wassersprudlers, etwa dem SodaStream Crystal, löst das Problem. So muss auch beim Leitungswasser nicht auf das erfrischende Prickeln verzichtet werden.

Fazit: Leitungswasser besser als Mineralwasser

Leitungswasser steht dem im direkten Vergleich deutlich kostspieligeren Wasser aus der Flasche qualitativ in nichts nach. Zudem ist es umweltfreundlicher, praktischer im Alltag und ein echter Genuss! Dennoch sollte man hier auf ein paar Dinge achten.

Dazu gehört vor allem die Qualitätssicherung, sobald die Verantwortung vom Wasserversorger auf den Hausbesitzer übergeht. Dies geschieht – was viele Verbraucher nicht wissen – am Übergabepunkt des Wassers (in der Regel die Wasseruhr). Betreiber von eigenen Hausbrunnen tragen prinzipiell selbst die Verantwortung für die Wasserqualität, deren Einhaltung spätestens dann zur Pflicht wird, wenn Dritte (etwa Mieter) mit dem Wasser versorgt werden. Erfahrt hier im Magazin mehr zur Prüfpflicht für Brunnenbetreiber.
Innerhalb des Verantwortungsbereichs des Eigentümers durchläuft das Wasser noch einmal viele Meter Rohrleitungen und wird gegebenenfalls zu Warmwasser aufbereitet. Hier lauern Gefahren, durch die das Wasser unter Umständen in veränderter Qualität aus dem Hahn fließt und zur Gefahr werden kann. Mehr zu den Problemen, die in der eigenen Trinkwasserinstallation auftreten können, lest ihr beispielsweise hier im Magazin.

Tipp: Profis raten zum Wassertest, um Verunreinigungen auszuschließen

Wer unsicher ist, ob das eigene Leitungswasser guter Qualität entspricht und bedenkenlos getrunken werden kann, sollte es analysieren lassen. Ein professioneller Wassertest für Privathaushalte bringt schnelle Gewissheit und deckt eventuelle Probleme auf. Hier geht’s beispielsweise zum Kombi-Wassertest. Wenn Babys und Kleinkinder im Haushalt leben, wird vor allem der Baby-Wassertest empfohlen.

Eure Meinung interessiert uns!
Bevorzugt ihr das Wasser aus der Leitung oder der Flasche? Hat das deutsche Trinkwasser – trotz höchster Qualität – ein Image-Problem? Habt ihr euer Wasser schon einmal testen lassen und konnten, so hoffen wir, gute Ergebnisse euer Wasseranalyse euch davon überzeugen, auf das Schleppen von Wasserkisten zu verzichten?

Wir freuen uns über eure Erfahrungen und Kommentare!

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