Wie gefährlich sind Colibakterien wirklich?

Was sind Colibakterien im Trinkwasser?

Durchfallerkrankungen und ähnliche Beschwerden bereiten uns häufig nicht nur aufgrund des typischen Unwohlseins Kopfzerbrechen, sondern auch, weil wir in vielen Fällen die Ursache nicht genau ausmachen können.

Eine mögliche Ursache, an die wir viel zu oft gar nicht denken, sind Bakterien, Erreger und Keime – darunter beispielsweise Coli-Bakterien. Doch was hat es mit den Darmkeimen auf sich, wie gelangen sie in unseren Körper und was können wir unternehmen?

Bakterien im Trinkwasser: Nichts besonders – oder doch?

Dass sich in unserem Trinkwasser Bakterien befinden ist nicht nur normal, sondern auch sehr wichtig. In einem Glas Wasser befinden sich bis zu zehn Millionen Bakterien. Diese sorgen, zusammengefasst, für ein biologisches Gleichgewicht. Dennoch gibt es hier neben „guten“ Bakterien auch Keime und Erreger, die der menschlichen Gesundheit enorm schaden können – darunter die sogenannten E-Colibakterien. Wann und warum Sie durch einen Wassertest auf Bakterien sicherstellen sollten, dass Ihr Trinkwasser nicht mit Coli-Bakterien belastet ist, lesen Sie im folgenden Artikel.

 

Wie kommen Colibakterien ins Trinkwasser?

Im menschlichen Darm leben, ohne eine Gefahr für die Gesundheit zu sein, E.Coli-Bakterien. Allerdings kommen in tierischen Därmen, hauptsächlich bei Wiederkäuern wie Kühen sowie Ziegen oder Schafen, gefährlichere E.Coli-Stämme vor. Diese führen beim Tier nicht zu einer Erkrankung, können dem Menschen jedoch erheblichen Schaden zufügen. Die Tiere scheiden die Bakterien mit dem Kot aus. Durch auf diese Weise verunreinigte Lebensmittel, darunter auch Wasser, kann die Ansteckung eines Menschen die Folge sein.

Der Nachweis von Colibakterien im Trinkwasser dient hauptsächlich dazu, fäkale Verunreinigungen aufzuspüren. Denn Colibakterien funktionieren hier in erster Linie als Indikatorkeim. Wird eine Grenzwertüberschreitung von Colibakterien im Trinkwasser nachgewiesen, deutet dies auf weitergehende Verunreinigungen des Wassers hin.

 

info-kleinWissenswertes zu E-Coli-Bakterien

Colibakterien, genauer „Escherichia coli“ haben ihren Namen von ihrem Entdecker, dem deutschen Kinderarzt Theodor Escherich, wobei der Namensteil „coli“ für „aus dem Darm stammend“ steht. Beim Erreger Escherichia coli, kurz E. coli oder Colibakterien, handelt es sich um eine natürlich im Darmtrakt vorkommende Bakterienart, die jedoch auch Krankheiten auslösen kann.

Mikroorganismen wie Bakterien sind im Darm jedes Säugetiers zuhause und spielen eine wichtige Rolle indem sie bei der Verdauung sowie die Vorbeugung von Infektionen mitwirken. Sie können jedoch auch sehr gefährlich werden.

 

Vermehren sich Colibakterien in den Leitungen?

achtung-klein Colibakterien vermehren sich nicht im Wassersystem, sondern ausschließlich im tierischen oder menschlichen Körper. Daher liegt eine Verunreinigung durch tierische Fäkalien, etwa bei nahegelegener Landwirtschaft, nahe. Brunnenbetreiber sollten daher besondere Vorsicht walten lassen.

Insbesondere in den vergangenen Jahren wurde die Belastung des Grundwassers durch enorme Nutztierhaltung und Düngung zum Thema. Vor allem in ländlichen Gegenden, wo großflächig Weidetiere gehalten werden, ist die Belastung durch Fäkalien teilweise enorm. Gelangen hier durch die Ausscheidungen der Tiere Bakterien, etwa Coli-Bakterien, ins Grundwasser, kann es theoretisch zu einer Belastung des Leitungswassers kommen. Die enorme Nutztierhaltung sowie das immense Düngen mit Tierdung und Fäkalien stehen daher seit einiger Zeit, nicht zuletzt auch aufgrund der zu großen Teilen hohen Nitratbelastung des Grundwassers, im Fokus kontroverser Diskussionen.

 

Was macht Coli-Bakterien so gefährlich?

Colibakterien produzieren Toxine. Diese Giftstoffe stören die Funktion der Darmzellen. Diese nehmen dadurch entweder mehr Wasser auf oder geben mehr Flüssigkeit im Darm ab. Durchfälle zählen daher zu den häufigsten Beschwerden. In schlimmeren Fällen wird nicht nur der Darm in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch der Blutkreislauf bis hin zum tödlichen Versagen der Nieren.

Verschiedene Stämme der Colibakterien produzieren diese gefährlichen Giftstoffe, die beispielsweise bei oraler Einnahme, also etwa durch das Trinken von kontaminiertem Wasser, zu Durchfallerkrankungen führen. Zu den Darmerkrankungen auslösenden Stämmen zählen beispielsweise folgende:

  • EAEC (enteroaggregative Escherichia coli)
  • EIEC (enteroinvasive Escherichia coli)
  • EPEC (enteropathogene Escherichia coli)
  • ETEC (enterotoxische Escherichia coli)
  • EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli)

achtung-klein Gefährlich werden Colibakterien vor allem auch dann, wenn die Darmbakterien in andere Körperbereiche vordringen, wie etwa bei falscher oder unzureichender Toilettenhygiene oder Wuninfektionen.

Entgegen einem weitverbreiteten Missverständnis entstehen Infektionen durch Colibakterien auch außerhalb des Darmtrakts. Dies wird möglich, wenn die Bakterien wie oben beschrieben in andere Körperregionen gelangen. So können beispielsweise Infektionen der Harnwege in Frage kommen, wenn Colibakterien in den Harnleiter gelangen. Colibakterien können außerdem Blutvergiftungen, Wundinfektionen, Entzündungen des Bauchfells oder des Blinddarms auslösen.

Auch direkt in der Darmflora selbst können Infektionen durch Colibakterien entstehen. Diese führen meist zu Durchfallerkrankungen. Colibakterien im Trinkwasser zählen zu den häufigsten Auslösern von Durchfallerkrankungen.

 

Kann man durch Coli-Bakterien im Leitungswasser krank werden?

Für Kinder und Säuglinge bedeuten die Symptome, die mit einer Infektion mit Colibakterien einhergehen, eine besondere Gefahr. Anhaltende Durchfallerkrankungen werden nicht selten zu spät mit einer Infektion durch Colibakterien in Verbindung gebracht. Dass die Ursache im Leitungswasser liegen könnte, wird zudem selten mit den Symptomen in Zusammenhang gebracht.

 

 Wo liegt der Grenzwert für Colibakterien im Trinkwasser?

Die Trinkwasserverordnung sieht klare Regelungen und Grenzwerte für verschiedene Parameter vor, auf die das Wasser vor der Auslieferung an die Haushalte kontrolliert wird. Während dieser engmaschigen Prüfungen wird nicht nur eine zu hohe Belastung durch Schwermetalle wie Blei oder Kupfer ausgeschlossen, sondern auch Verunreinigungen mikrobiologischer Art.

achtung-klein Für Colibakterien gilt:

Entsprechend der Trinkwasserverordnung (Novellierung von 2011) muss der Analysewert eines Wassertests bei 0 koloniebildenden Einheiten je 100 Millilitern Wasser liegen, damit das Wasser als Trinkwasser deklariert werden darf.

 

Woran merke ich, dass mein Leitungswasser mit Colibakterien belastet ist?

Spätestens dann, wenn insbesondere hartnäckige Durchfallerkrankungen auftreten, für die kein klarer Auslöser anderer Art gefunden wird, lohnt es sich, eine Wasseranalyse auf Bakterien durchzuführen. Dass Keime und Erreger wie etwa Colibakterien Auslöser solcher Symptome sein können, ist den meisten Menschen nicht klar. Doch auch wenn das heimische Trinkwasser von den Versorgern engmaschig kontrolliert wird, ist eine Belastung nicht ausgeschlossen und langwierige Erkrankungen können insbesondere der Gesundheit von Babys, Kleinkindern oder immungeschwächten Menschen enormen Schaden zufügen.

 

Wann wird zu einem Wassertest auf Coli-Bakterien geraten?

Experten empfehlen, das eigene Leitungswasser nicht nur dann auf mikrobiologische Belastungen, etwa durch Colibakterien, zu kontrollieren, wenn Beschwerden auftreten. Diese werden häufig erst deutlich zu spät mit einer möglichen Belastung des Leitungswassers in Verbindung gebracht, da die Symptome relativ facettenreich und nur schwer direkt einer Infektion mit Colibakterien zuzuweisen sind.

 

Wie kann man das eigene Leitungswasser auf Bakterien prüfen?

Ein Wassertest auf Colibakterien für Privathaushalte gibt hier schnell und unkompliziert Sicherheit. Idealer Weise wird dieser Test in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Dies gilt besonders für Besitzer eigener Hausbrunnen, da das durch eigene Anlagen gewonnene Wasser nicht zunächst durch öffentliche Stellen kontrolliert wird.

 

Hilft es, wenn das Leitungswasser abgekocht wird?

Ist Wasser ist Bakterien und Keimen belastet, kann das Abkochen eine zumindest vorübergehende Lösung sein. Bakterien, Keime und Erreger sterben in aller Regel beim Abkochen ab, so dass das Wasser dann gefahrlos konsumiert werden kann. Dennoch sollte die Belastung des Wassers langfristig beseitigt werden und daher der Belastungsquelle nachgegangen werden.

lesetip_kleinMehr dazu lesen Sie in unserem speziellen Beitrag zum Thema „Wasser abkochen bei Belastung durch Bakterien?„. Erfahren Sie außerdem, ob und wann das Wasserfiltern Sinn macht und ob es genügt, das Leitungswasser einige Minuten ablaufen zu lassen.

 

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Colibakterien im Leitungswasser gemacht? Oder haben Sie Fragen zum Thema? Dann freuen wir uns über Ihren Kommentar!

 

2 Kommentare

  1. Patrick F.
    • IVARIO-Alexandra

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