Legionellen im Leitungswasser bekämpfen

Was tun bei Legionellen im Leitungswasser

 

Legionellen im Leitungswasser sind eine ernst zu nehmende Angelegenheit. Die gesundheitlichen Auswirkungen eines Legionellenbefalls können enorm sein. Besonders Babys, Kleinkinder und immungeschwächte Menschen können ernsthafte gesundheitliche Probleme bekommen.

Die Stäbchenbakterien können, wenn sie in die tieferen Atemwege gelangen, die Legionärskrankheit auslösen oder, im weniger drastischen jedoch trotzdem gefährlichen Fall, zu Pontiac-Fieber führen. Dabei kann die Legionärskrankheit im schlimmsten Fall zu einer Lungenentzündung führen, die unter Umständen sogar tödlich verlaufen kann. Haupt-Ansteckungsquelle sind überwiegend Duschen und andere wasserzerstäubende Geräte wie Klimaanlagen.

Aus diesem Grunde sollten Legionellen im Leitungswasser generell ausgeschlossen werden. Hierzu bietet sich ein schnell durchführbarer und verlässlicher Legionellen-Wassertest an. Seit dem Jahr 2012 besteht eine Untersuchungspflicht für Hauseigentümer, die besagt, dass Legionellen im Leitungswasser bei Mehrfamilienhäusern (Ein- und Zweifamilienhäuser ausgenommen) in einem dreijährigen Rhythmus durch einen entsprechenden Test ausgeschlossen werden müssen. Für öffentliche Einrichtungen gilt die Pflicht zur Leitungswasseranalyse dagegen jährlich!

pfeil ivarioMehr dazu haben wir bereits hier im Magazin für Sie zusammengefasst.

 

In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit der Frage:

 

Legionellen im Leitungswasser – was tun?

Werden regelmäßige Untersuchungen des Trinkwassers durchgeführt, die im Idealfall sogar über die in der Trinkwasserverordnung festgelegten Pflichtuntersuchungen hinausgehen, erhöht das die Chance, Legionellen im Trinkwasser zügig festzustellen und entsprechend zu handeln. Dies wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass noch kein Nutzer zu Schaden kam.

Wird anhand einer Legionellen-Wasseranalyse ein Befall festgestellt, sollte schnell gehandelt werden. Vor allem jedoch sollten die Trinkwassernutzer die Verwendung des Wassers möglichst vermeiden. Hier ist Vorsicht besser als Nachsicht.

Sind Legionellen im Leitungswasser nachgewiesen, ist der erste Schritt die Information der Betroffenen Verbraucher. Insbesondere Vermieter müssen dieser Informationspflicht umgehend nachkommen. Dies kann persönlich oder beispielsweise schriftlich, etwa als Aushang im Treppenhaus oder in Form eines Infobriefes erfolgen.

Zudem sind die Nutzer des Leitungswassers gegebenenfalls über entsprechende Verhaltensregeln zu unterrichten. Diese variieren entsprechend des Ausmaßes der Kontamination.

Der Grad der Kontamination des Leitungswassers ist ausschlaggebend für die notwendigen Maßnahmen.

 

Trinkwasser Magazin Ivario

Geringe Kontamination:

Mehr als 0, jedoch weniger als je 100 KBE je 100 Milliliter Trinkwasser

 

Zeigt das Analyse-Ergebniss einen geringeren Wert als den in der Trinkwasserverordnung vorgeschriebenen technischen Maßnahmenwert von 100 KBE je 100 ml Trinkwasser an, entspricht dieses Wasser noch den Anforderungen der Trinkwasserverordnung.

Hier wird dennoch empfohlen, mögliche Schwachstellen im Trinkwassersystem zu orten. Dabei kann es sich beispielsweise um zu schwach erhitztes Warmwasser handeln sowie um Gefahrenquellen wie Stagnationswasser.

 

Trinkwasser Magazin IvarioMittlere Kontamination:

Mehr als 100 KBE, jedoch weniger als 1.000 KBE je 100 Milliliter Trinkwasser

 

In diesem Fall wird der technische Maßnahmenwert der Trinkwasserverordnung überschritten. Somit entspricht das Wasser nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen. Daher ist unverzüglich eine weitere Untersuchung anzuberaumen. Da bei dieser Belastung bereits von einer ernst zu nehmenden Gefährdung der Verbraucher auszugehen ist, sind entsprechende Verbraucher-Informationen sowie die Klärung effektiver Maßnahmen unverzüglich einzuleiten.

Erste Maßnahmen ist beispielsweise die Sicherstellung der Wassertemperaturen. Diese sollten, um das Legionellenwachstum zu minimieren, mindestens bei 55 °C im peripheren Wassersystem sowie bei 60 °C am Auslauf des Wassererwärmungssystems liegen. Weitere Schritte sind mit dem zuständigen Gesundheitsamt zu klären.

 

Trinkwasser Magazin IvarioHohe Kontamination:

Mehr als 1.000, jedoch weniger als 10.000 KBE je 100 Milliliter Trinkwasser

 

In diesem Fall, genau wie bei einer „extrem hohen Legionellen-Kontamination“ (mehr als 10.000 KBE je 100 Milliliter Wasser), werden die Werte der Trinkwasserverordnung mehr als deutlich überschritten. Weitergehende Untersuchungen sind sofort durchzuführen und Maßnahmen um Legionellen im Leitungswasser zu beseitigen (auf die wir im folgenden Absatz näher eingehen), einzuleiten. Mieter und Verbraucher sollten das Wasser zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nutzen.

Maßnahmen gegen Legionellen im Leitungswasser

Aus technischer Sicht ursächlich für Legionellen im Trinkwasser sind häufig zu große Wasserspeicher sowie zu umfangreiche Rohrsysteme. Durch diese entsteht eine relativ lange Verweilzeit des Warmwassers im System.

Eine ebenso häufige Ursache ist zudem die Wassertemperatur: Legionellen fühlen sich bei lauwarmem Wasser besonders wohl und vermehren sich bei etwa 25 °C enorm schnell. Wird also am falschen Ende und vor dem Hintergrund Energiesparen zu wollen eine zu niedrige Standard-Warmwassertemperatur gewählt, fördert dies zugleich das Wachstum von Legionellenkolonien im Leitungswasser.

Ist das Trinkwassersystem durch Legionellen kontaminiert, bieten sich beispielsweise thermische oder chemische Desinfektionsmaßnahmen an. Diese sind jedoch nicht selten nur kurzfristig funktionell. Ist dies der Fall, sollte das gesamte Heizungs- und Warmwassersystem vom Fachmann untersucht werden, so dass Schwachstellen zügig ausfindig gemacht werden können.

Legionellen im Stagnationswasser: ein besonderes Problem

Befinden sich Legionellen im Stagnationswasser, ist die Entfernung wesentlich komplizierter, als beim Befall des Fließwassers. Daher sollten Totrohre und ähnlich klassische Stellen, in denen sich Stagnationswasser sammeln kann, tunlichst schon beim Bau vermieden oder, sofern möglich, nachträglich entfernt werden. Zudem sollte das Wasser in Rohren, die seltener genutzt werden (etwa in Gästebädern) regelmäßig durchgespült werden, um einer Legionellenverkeimung vorzubeugen.

Gegebenenfalls kann die Sanierung des Warmwassernetzes notwendig werden. Hierbei werden sämtliche Wuchsbeläge entfernt, so dass eine Wiederverkeimung möglichst ausgeschlossen ist. Bleibt Nährboden für Legionellen im Leitungswasser zurück, ist ein erneuter Legionellenbefall möglich.

Generell ist der Rat eines Fachmannes und des zuständigen Gesundheitsamtes einzuholen, sobald Legionellen im Leitungswasser nachgewiesen wurden. Je nach Kontaminationsgrad sind entsprechende Vorkehrungen zu treffen, die bis zum Duschverbot reichen können. Diese Maßnahmen sind mit dem zuständigen Gesundheitsamt abzusprechen.

 

Wichtig: Bei einem Legionellenbefall, der über dem technischen Maßnahmenwert von 100 KBE/100 Milliliter Wasser liegt, sind gesetzliche Meldepflichten zu beachten.

 

Sollten sich herausstellen, dass sich Legionellen im Leitungswasser befinden, ist der Kontakt zum zuständigen Gesundheitsamt ein unumgänglicher Schritt. Gegebenenfalls kann auch eine Verpflichtung zur Gefährdungsanalyse bestehen. Setzen Sie sich daher bei einem entsprechenden Analyseergebnis umgehend mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung. Eine Liste der Gesundheitsämter finden Sie beispielsweise hier.

 

 

 

*Koloniebildende Einheit, kurz KBE

4 Kommentare

  1. Willi Müller
    • IVARIO-Alexandra
  2. Eberhad Schüler
    • IVARIO-Alexandra

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