Trinkwasserqualität in Deutschland – wie gut ist unser Wasser?

Trinkwasserqualität in Deutschland - viele Faktoren spielen eine Rolle

Die Trinkwasserqualität hierzulande wird stets hochgelobt. Denn deutsches Trinkwasser gehört zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln. Im Prinzip können wir unser Leitungswasser bedenkenlos nutzen – zum Waschen, zum Kochen und natürlich auch zum Trinken. Der Gesetzgeber schreibt Trinkwasserqualität vor und so sind die örtlichen Wasserwerke dazu verpflichtet, uns einwandfreies Leitungswasser zur Verfügung zu stellen. Damit dies gewährleistet werden kann, wird das Trinkwasser, das die Wasserwerke verlässt, regelmäßig überprüft. Was viele Verbraucher und Bürger jedoch nicht wissen: Die behördliche Zuständigkeit – und somit Kontrolle – für bzw. über das Trinkwasser endet an den Zuleitungen unserer Häuser. Hier ist der Bürger auf sich allein gestellt. Was dies in der Folge für die tatsächliche Wasserqualität aus dem Hahn bedeutet, welche Rolle Grenzwerte hierbei spielen und wie wir unser Leitungswasser kontrollieren – der Experte Rüdiger Große, unter anderem für die Trinkwasserüberwachung im Kreis Soest verantwortlich und im Sachgebiet Gesundheitsschutz tätig, steht Rede und Antwort.

Verunreinigungen in den Hausleitungen: Dies sind die Gefahrenquelle

Das einwandfreie Leitungswasser wird von den Wasserwerken an unsere Häuser und Wohnungen geliefert und erst hier, in den Hausleitungen oder durch die Wasserhahn-Armatur, gelangen die meisten Verunreinigen, etwa Metalle, wie z. B. Blei, Nickel oder Eisen, in das Trinkwasser. Die dauerhafte Aufnahme über das Wasser kann die Gesundheit schädigen, jedoch werden die direkten und indirekten Auswirkungen häufig nicht auf belastetes Trinkwasser zurückgeführt und daher auch oftmals nicht adäquat behandelt bzw. die Ursachen beseitigt. Obwohl konkrete Grenzwerte für Parameter wie z. B. Nickel im Trinkwasser in der deutschen Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) geregelt sind, besteht für Wohnungseigentümer und Vermieter keine Untersuchungspflicht auf Schwermetalle.

Stagnationswasser, Totleitungen, Wasserfilter und Armaturen

Ein konkretes Risiko für die Verunreinigung von Leitungswasser innerhalb des eigenen Wassersystems stellen Stagnationswasser und Totleitungen dar. Wie jedes andere Lebensmittel auch, kann unser Trinkwasser verderben. Dies betrifft vor allem nicht fließendes Wasser, das sogenannte Stagnationswasser. Die Temperatur, wie man denken könnte, spielt hierbei nicht unbedingt eine Rolle – Bakterien können sich in stehendem Wasser, egal, ob kalt oder warm, spielend leicht vermehren. Die Folge ist eine Keimbelastung, die ggf. Grenzwerte überschreitet und eine potenzielle Gefahr für die Gesundheit mit sich bringt.
Auch veraltete und nicht gewartete Leitungen, vor allem jedoch Totleitungen, können das Eingangstor für Verunreinigungen sein. Alte und stillgelegte Leitungen sind laut dem Experten Rüdiger Große ein besonderer Gefahrenfaktor. In diesen wird das Wasser „schlecht“ und steht nicht selten über viele Jahre hinweg. Das Trinkwasser, das währenddessen durch die Hauptleitungen fließt, kann so verunreinigt werden.
Nicht gewartete oder gewechselte integrierte Wasserfilter bieten ebenfalls Gefahrenpotenzial, da hier beispielsweise Algen wachsen können. Aber auch Kalkablagerungen an den Sieben der Wasserhähne oder etwa Duschköpfen sind ein idealer Lebensraum für Bakterien und Keime – aber auch Schwermetalle wie Blei oder Kupfer können hier ins Leitungswasser gelangen.
Mehr zu den Pflichten von Hauseigentümern, der Trinkwasserverordnung, den geltenden Gesetzen und den Folgen verminderter Trinkwasserqualität für Ihre Gesundheit lest Ihr in den weiterführenden Artikeln in IVARIO-Trinkwasserblog.

Trinkwasserverordnung und Grenzwerte: Ist Leitungswasser gesund?

Was bedeutet dies alles für die Qualität und Trinkbarkeit von Leitungswasser? Kann der Genuss dennoch empfohlen und als gesund bezeichnet werden?
Ja, denn …
… unter Einhaltung der Grenzwerte für Trinkwasser ist Leitungswasser in Deutschland von enorm hoher Qualität. Es muss eine bestimmte Qualität gewährleistet sein, damit Wasser hierzulande als Trinkwasser deklariert werden darf. Gradmesser hierfür sind Grenzwerte für Trinkwasser, die in der Trinkwasserverordnung, kurz TrinkwV, niedergeschrieben sind und lückenlos eingehalten werden müssen. Diese existieren sowohl für Schadstoffe wie etwa Schwermetalle (beispielsweise Blei, Nickel, Kupfer) als auch für mikrobiologische Höchstbelastungen.
Nein, wenn …
… das Wasser aus der hauseignen Leitung die Grenzwerte überschreitet. Die Prüfungspflicht der Wasserwerke endet am Übergang zu den hauseigenen Leitungen. Die Qualität des Wasser kann demnach in den Leitungen und an den Armaturen des eigenen Hauses noch dezimiert werden, sogar so weit, dass Grenzwerte überschritten werden. Verbraucher gehen am besten selbst sicher, dass das Wasser ihrer Leitungen die Grenzwerte nicht überschreitet, da Vermieter nicht zur Überprüfung verpflichtet sind.

Wo liegen die Grenzwerte von Blei, Nickel und Co.?

Sinn und Zweck der streng kontrollierten Grenzwerte für Trinkwasser ist der Schutz der Gesundheit der Verbraucher. Trinkwasser wird zu einem großen Teil aus Grundwasser gewonnen. Es ist jedoch praktisch unmöglich, vollkommen schadstofffreies Grundwasser zu finden. Fließt das Wasser durch Gesteins- oder Bodenschichten, waschen sich immer geringe Mengen der für den Menschen gegebenenfalls gefährlichen Schwermetalle aus. Zwar sind diese in minimaler Konzentration für den Menschen in aller Regel nicht direkt gefährlich, werden sie jedoch über einen längeren Zeitraum kontinuierlich aufgenommen, besteht ein gewisses Risiko für Erkrankungen.
Die Liste der Grenzwerte für Trinkwasser ist umfangreich. Festgelegt sind dabei unter anderem maximale Konzentrationen von Blei (0,010 mg/l), Chrom (0,050 mg/l) oder Nickel (0,020 mg/l). Häufig durch die Landwirtschaft ins Wasser gelangendes Nitrat darf zudem beispielsweise eine Höchstkonzentration von 50 mg je Liter Trinkwasser nicht überschreiten.

Die Höhe der Schadstoffkonzentration, etwa von Schwermetallen, ist jedoch nur ein Faktor, den die Grenzwerte für Trinkwasser regeln. Auch die Höchstanzahl der im Wasser vorkommenden Keime ist klar deklariert. So liegt der Grenzwert für E. Coli-Bakterien beispielsweise bei 0/100 ml Trinkwasser. Die Fäkalkeime können zu schweren Durchfallerkrankungen führen. Weitere Grenzwerte für Trinkwasser regeln zudem beispielsweise die Höchstzahl von Legionellen, die im Wasser vorkommen dürfen.
Teilweise sind diese Stoffe enorm schädlich – insbesondere für immungeschwächte Menschen, Babys, Kleinkinder oder auch Schwangere, beziehungsweise deren ungeborene Kinder – wenn sie über einen längeren Zeitraum, auch in niedriger Konzentration, aufgenommen werden.

Was können Verbraucher konkret tun?

Die Wissenschaft kennt die Auswirkungen gefährlicher Stoffe, die im Trinkwasser lauern können, inzwischen relativ genau. Lange Jahre der Forschung geben den Expert die Möglichkeit, klar festzulegen, ab welcher Dosis ein bestimmter Stoff für den Trinkwassernutzer zur Gefahr wird. In den vergangen Jahren wurde die Trinkwasserverordnung immer wieder angepasst, sofern neue Erkenntnisse eine Neuregelung der Grenzwerte für Trinkwasser oder auch der Auflagen, die in der Verordnung zur Kontrolle des Wasser festgeschrieben sind, notwendig machen.

Werden die Trinkwasser Grenzwerte überschritten, kann aus der Leitung Wasser fließen, das der Gesundheit erheblich schadet. Der Experte Rüdiger Große ermahnt daher vor allem Endverbraucher, sich auch selbst davon zu überzeugen, ob im eigenen Haushalt die Trinkwasser Grenzwerte überschritten werden oder nicht.
Seit dem Jahr 2012 müssen nicht mehr nur die Eigentümer oder Betreiber öffentlicher Gebäude sicherstellen, dass keine Trinkwasser Grenzwerte überschritten werden. Zum Teil sind auch Wasseranalysen in privaten Haushalten Pflicht. Im Kreis Soest wurden seitdem mehr als 400 Fälle gemeldet, in denen die Trinkwasser Grenzwerte überschritten wurden.

Große führt dazu aus, dass in vielen Fällen aufgrund baulicher Mängel Trinkwasser Grenzwerte überschritten wurden. Jedoch sind Verbraucher häufig mitverantwortlich für bedenkliche Wasserqualität aus dem eigenen Hahn. Ihr solltet ein paar Dinge beachten, um das Risiko für Verunreinigungen im hauseigenen Leitungssystem möglichst kleinzuhalten.
Tipps:

  1. Wassersystem im Fluss halten: Sämtliche Wasseranschlüsse, etwa Wasserhähne und Duschbrausen, aber auch die Zapfstelle im Garten, sollten regelmäßig mit Trinkwasser durchgespült werden, vor allem nach längerer Abwesenheit, etwa nach dem Urlaub – so verhindert man risikobehaftetes Stagnationswasser.
  2. Leitungen regelmäßig warten: Die Wartung und Instandhaltung der Leitungen ab dem Übergabepunkt, des Warmwasserspeichers und der Entnahmestellen ist ein wichtiger Aspekt, den weder Hauseigentümer noch Mieter außer Acht lassen sollten, um keine gesundheitlichen Risiken einzugehen.
  3. Eigenverantwortliche Überprüfungen durch Wassertests: Um sich ein Bild von der Leitungswasserqualität im eigenen Haus/der eigenen Wohnung zu machen, ist es sinnvoll, selbstständig Wassertests durchzuführen. Die im Labor untersuchten Proben der verschiedenen Entnahmestellen geben Aufschluss über etwaige Gefahrenquellen, die beseitigt werden müssen.
  4. Trinkwasserqualität? Wasserproben untersuchen lassen

    Der Gesetzgeber sieht zwar alle drei Jahre eine Untersuchungspflicht auf Legionellen für Hauseigentümer und Vermieter vor. Dieses Gesetz greift allerdings nicht in allen Fällen und ob die Untersuchung tatsächlich stattfindet, ist häufig nicht bekannt. Denn die Meldepflicht an die Gesundheitsämter gilt erst bei Überschreitungen von Grenzwerten. Da diese Untersuchungen jedoch lange nicht ausreichend sind, um ein Gesundheitsrisiko aus unserem Wasserhahn auszuschließen, und unzählige private Wasserproben immer wieder teils drastische Überschreitungen der Grenzwerte aufzeigen, ist es ratsam, sein Leitungswasser testen zu lassen. Denn die Trinkwasserqualität hängt von vielen Faktoren ab.

    Eigentümer sind verpflichtet, unter gewissen Umständen regelmäßige Wasseranalysen durchführen zu lassen.
    Dennoch sollte auch der Verbraucher sicher gehen, dass keine Trinkwasser Grenzwerte überschritten werden, bevor er das Wasser nutzt – insbesondere dann, wenn Babys oder Kleinkinder im Haushalt leben. Ein Wassertest für Privatpersonen ist einfach durchführbar und gibt schnell Aufschluss darüber, ob Trinkwasser Grenzwerte überschritten werden und gegebenenfalls Maßnahmen einzuleiten sind.
    Dies wird durch engmaschige Kontrollen der Wasserversorger garantiert, wobei die Verantwortung für die Einhaltung der Grenzwerte in dem Moment an den Eigentümer der Immobilie übergeht, sobald das Wasser den Übergabepunkt passiert. Für Verunreinigungen, die innerhalb der eigenen Trinkwasserinstallation stattfinden, haftet demnach der Eigentümer des Gebäudes. Hier sind beispielsweise Bleirohre eine besondere Gefahr.
    Erfahrt Ihr auf den Seiten von IVARIO mehr zu Ihren Möglichkeiten, Ihr Wasser auf Bakterien, Erreger und Schwermetalle zu testen.

5 Kommentare

  1. Samdea
    • IVARIO
  2. Wasser-Liebhaber
  3. Sonja Filaneu
  4. Patrick S. aus Speyer

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