Trinkwasserqualität – diverse Mythen und Irrglauben

Trinkwasserqualität - Mythen

 

Trinkwasserqualität – sie gehört zu den sagenumwobensten Mythenträgern unserer Zeit. Auch wenn man im Grunde davon ausgehen sollte, dass es de facto entweder gesund oder ungesund ist, Wasser zu trinken und die Trinkwasserqualität für diese Entscheidung die tragende Rolle spielt, ist es doch nicht so einfach. Denn das Thema Trinkwasserqualität beschäftigt uns. Und das obwohl wir in Deutschland an sich keine Angst davor haben müssen, dass unsere Trinkwasserqualität unzufriedenstellend sein könnte. Nicht selten begegnen wir regelrechten Mythen zum Thema Wasser und Trinkwasserqualität. Einige davon haben wir zusammengefasst und möchten dem Wahrheitsgehalt auf den Grund gehen.

 

„Die Wasserwerke liefern auch Trinkwasser minderer Qualität!“

trinkwasserqualität - Falsch!

Falsch! Damit wir ohne Sorge um die Trinkwasserqualität trinken, abwaschen, duschen oder unsere Nahrungsmittel zubereiten können, halten sich Wasserversorger strikt an die Trinkwasserverordnung. Die darin festgesetzten Grenzwerte sind unumstößlich einzuhalten. Treten Verunreinigungen auf, die einen Grenzwert überschreiten, ist die Ursache in annähernd allen Fällen in der heimischen Trinkwasserinstallation zu finden.

 

„Unser Trinkwasser ist zu einhundert Prozent sauber!“

trinkwasserqualität - Falsch!

Falsch! Die Trinkwasserqualität in Deutschland ist meist gut. Das bedeutet jedoch nicht, dass überhaupt kein Blei, kein Nickel oder andere belastende Stoffe im Wasser sind. Denn die größte Gefahr für die Reinheit des Trinkwassers bergen die hausinternen Leitungen! Beispielsweise können Bleirohre oder auch Nickellegierungen zu einer entsprechenden Belastung führen, die enorme Auswirkungen auf die Gesundheit nach sich ziehen kann. Denn auch wenn die Trinkwasserverordnung sicherstellen soll, dass die Gesundheit der Konsumenten in keiner Weise gefährdet ist, endet die Pflicht der Wasserwerke an der Wasseruhr! Ab hier sind Eigentümer in der Pflicht. Die geltenden Grenzwerte sind daran orientiert, dass niemand (gesundheitlichen) Schaden nimmt. Die Grenzwerte werden daher von den Wasserwerken ständig geprüft. Kleinste, nicht gesundheitsschädigende, Spuren von Schwermetallen können durchaus im Wasser sein, diese schaden jedoch nicht der Gesundheit. Das eigene Trinkwassersystem dagegen wird kaum geprüft und birgt eine von Konsumenten oft nicht einkalkulierte Gefahr.

Für Keime und Bakterien gelten besonders scharfe Grenzwerte. Diesbezüglich muss das deutsche Trinkwasser tatsächlich annähernd absolut rein sein, um den Qualitätsstandard, den die Trinkwasserverordnung vorschreibt, einzuhalten.

 

„Wenn die Grenzwerte zur Sicherstellung der Trinkwasserqualität in den Wasserwerken geprüft und eingehalten werden, kommt auch garantiert sauberes Wasser aus meinem Hahn!“

trinkwasserqualität - Falsch!

Falsch! Die Gefahr ist nicht gebannt. Verunreinigungen sind nicht ausgeschlossen, denn nicht selten leidet die Trinkwasserqualität auf den letzten Metern, bevor das Wasser aus dem Hahn sprudelt! Vor allem Bleirohre und Verunreingungen durch Wasserhahnarmaturen, die Stoffe wie etwa Blei- und Nickel abgeben können, sind in der heimischen Trinkwasserinstallation beispielsweise ein Problem. Aber auch Erreger wie Legionellen können sich im eigenen Trinkwassersystem vermehren und die Gesundheit gefährden. Das Wasser testen lassen macht daher auch für Trinkwassernutzer Sinn, deren Wasser von den Wasserwerken zur Verfügung gestellt wird.

 

„Über die Qualität meines Brunnenwassers muss ich niemandem Rechenschaft ablegen!“

trinkwasserqualität - Falsch!

Das stimmt nicht so ganz – zumindest nicht dann, wenn das Wasser als Trinkwasser genutzt wird. Brunnenbetreiber sind angehalten, ihr Brunnenwasser mindestens einmal jährlich zu testen, denn hier findet keine Überprüfung durch Wasserwerke statt, da das Wasser auf direktem Wege in die Haushalte gelangt. Vor allem dann, wenn Dritten das Trinkwasser aus dem eigenen Brunnen zur Verfügung gestellt wird, sind Überprüfungen unumgänglich. Wird Brunnenwasser nicht als Trinkwasser verwendet, sind Brunnenbetreiber nicht in der Pflicht zur Wasseranalyse. Aber: Auch wenn nur das Wässern des heimischen Gartens über einen Brunnen erfolgt, sollte auf die Wasserqualität geachtet werden. Denn Schadstoffe, die über das Wasser beispielsweise mit angebautem Gemüse in Kontakt kommen, finden sich später in der daraus zubereiteten Nahrung. Mehr zu den gesetzlichen Vorschriften lesen Sie dazu hier im  IVARIO-Trinkwasserblog.

 

„Ein Wasserfilter sorgt für perfekte Trinkwasserqualität!“

trinkwasserqualität - Falsch!

Das ist nur bedingt richtig. Das kommt sehr darauf an, welches Merkmal durch einen Wasserfilter verbessert werden soll und welcher Qualität das Gerät entspricht. Die Stiftung Warentest hat Wasserfilter unter die Lupe genommen – die Ergebnisse waren ernüchternd. Unter normalen Umständen ist ein Wasserfilter für den Hausgebrauch zudem vollkommen unnötig, da die Trinkwasserqualität in Deutschland überaus gut ist. Möchten Haushalte jedoch dennoch ihr Wasser zusätzlich filtern, etwa weil sie durch eine Wasseranalyse zu dem Schluss kommen, dass eine zusätzliche Filterung angebracht ist, sollte sehr genau darauf geachtet werden, welches Gerät die jeweiligen Ansprüche erfüllt. Hier hat die Stiftung Warentest ermittelt, dass es durchaus auch Gefahren gibt, die von Wasserfiltern ausgehen. So können sich beispielsweise in den Kartuschen Erreger vermehren. Auch das Filtrat kann Probleme mit sich bringen. Mehr dazu lesen zu in unserer Zusammenfassung über die Ergebnisse, die von der  Stiftung Warentest im Wasserfiltertest ermittelt wurden. Wasserfilter haben außerdem die Eigenschaft, Auffälligkeiten im Geschmack des Wassers zu neutralisieren. Eine Wasseranalyse ist daher in jedem Fall zu empfehlen, um gegebenenfalls der Ursache für Verunreinigungen auf den Grund zu gehen.

 

„Mit Mineralwasser aus dem Supermarkt gehe ich auf Nummer Sicher!“

trinkwasserqualität - Falsch!

Nicht unbedingt! Denn Mineralwasser wird nicht annähernd so explizit kontrolliert wie Leitungswasser. Mehr als 50 physikalische und mikrobiologische Parameter müssen die absolute Unbedenklichkeit unseres Leitungswassers unter Beweis stellen- bei Mineral- und Tafelwasser sind es entsprechend der  Mineral- und Tafelwasserverordnung weit weniger. Nur wenn diese Trinkwasserqualität eingehalten wird, gelangt das Wasser in unsere Leitungen. Mineralwasser ist zwar keineswegs gesundheitsgefährdend – es gibt jedoch keine Garantie, dass es unbedingt besser ist als Leitungswasser. Was sonst noch für das Wasser aus der Leitung spricht, lesen Sie beispielsweise in unserem  Beitrag.

 

„Ich bin kerngesund, also kann mir auch der eine oder andere überschrittene Grenzwert nichts anhaben!“

trinkwasserqualität - Falsch!

Schön wäre es, wenn es so leicht wäre. Doch tatsächlich kann es auch absolut gesunde Menschen krank machen, über einen längeren Zeitraum hinweg belastetes Wasser zu sich zu nehmen. Die anhaltend hohe Trinkwasserqualität ist daher nicht nur für immungeschwächte Menschen wichtig. Erreger wie etwa Legionellen im Trinkwasser können beispielsweise auch absolut gesunde Konsumenten erkranken lassen. Und auch Schwermetalle im Trinkwasser können lang- oder mittelfristig zu Problemen führen.

Selbstverständlich sind Kleinkinder, Säuglinge oder auch immungeschwächte Menschen besonders gefährdet. Doch auch ansonsten vollkommen gesunde Trinkwasserkonsumenten können gesundheitlich Schaden nehmen. So erkranken jährlich rund 30.000 Menschen an durch Legionellen hervorgerufenen Beschwerden, die bis hin zur Lungenentzündung die Gesundheit enorm belasten.

 

„Die Trinkwasserqualität ist überall in Deutschland gleich!“

trinkwasserqualität - Falsch!

Die Trinkwasserverordnung stellt sicher, dass in ganz Deutschland bedingungslos sämtliche bundesweit gütigen Grenzwerte eingehalten werden. Trotzdem kann sich die Qualität regional unterscheiden. Die genauen Werte des Grundwassers, dass in großen Teilen Deutschlands zu Trinkwasser aufbereitet wird, richten sich beispielsweise nach geologischen Voraussetzungen, die regional sehr verschieden sein können. So können auch die genauen Werte des Trinkwassers, das später durch unsere Leitungen fließt, variieren.

 

„Wasseranalysen sind nur für besonders vorsichtige Menschen gedacht und eigentlich unnötig!“

trinkwasserqualität - Falsch!

Falsch. Eine Wasseranalyse lohnt sich oft. Gerade dann, wenn Säuglinge oder Schwangere im Haushalt leben und sich auf die Trinkwasserqualität verlassen müssen. Überschreitungen der Grenzwerte sind nicht so selten, wie häufig angenommen wird. Entscheidend ist hier nicht zuletzt die Trinkwasserinstallation, durch die das Wasser fließt, nachdem es von den Wasserwerken zur Verfügung gestellt wurde. Hier ist Vorsicht besser als Nachsicht. Denn gerade bei kleinen Kindern und Säuglingen können die Auswirkungen auf die Gesundheit und Entwicklung des Kindes immens sein.

 

Sie haben noch Fragen zum Thema Trinkwasser, Trinkwasserqualität, Wasseranalyse oder Leitungswasser? Oder Sie kennen einen typischen Mythos oder Irrglauben zum Thema? Wir freuen uns auf Ihre Anregung!

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