Die Angst vor Keimen und Giften: ist Wasser filtern die Lösung?

Wie sinnvoll ist Wasser filtern

 

Wasser filtern soll Sicherheit geben. Doch ist der Wasserfilter sinnvoll? Lohnt die Anschaffung? Und was bringt es wirklich, wenn wir unser Wasser filtern?

Ob als Tischfilter oder als Kartusche, die direkt in die Armatur integriert wird: Möchten wir unser Wasser filtern, bietet der Markt eine schier unüberschaubare Masse an Modellen und Möglichkeiten. Hier kann kräftig investiert werden: die Preisspanne zwischen den unterschiedlichen Modellen und Optionen reicht von 20 Euro bis hin zu mehreren hundert oder gar tausend Euro.

Wasser filtern soll uns schützen, so die Werbeversprechen der Hersteller. Kalk, Pestizide aus der Landwirtschaft, Medikamentenrückstände oder auch Blei und Asbest: Wasserfilter sollen allerhand giftige Chemikalien und gefährliche Erregern entfernen. Doch tun sie das wirklich und ist das überhaupt notwendig?

 

Wasser filtern: Weicheres Wasser dank chemischen Vorgängen

Der Markt bietet unterschiedlichste Filtersysteme, die beispielsweise gefährliche Stoffe und Erreger zu entfernen sollen. So können etwa Umkehrosmose-Filter zwischen Leitung und Hahn integriert werden.

Tischfilter dagegen funktionieren meist basierend auf einer Kombination aus sogenannten Ionenaustauschern und Aktivkohle und sind vor allem zur Kalkentfernung beliebt, um weicheres Wasser zu erhalten. Die Ionenaustauscher binden Ionen, die im Wasser gelöst sind. Daraufhin werden diese gegen andere Teilchen ausgetauscht, die über die gleiche Ladung verfügen. So werden etwa positiv geladene Ionen wie Calcium oder Magnesium, woraus Kalk besteht, durch ebenfalls positiv geladene Natriumionen ersetzt. Was kompliziert klingt ist im Grunde einfachste Chemie – doch ist es wirklich notwendig?

Das Entfernen von Kalk aus dem Leitungswasser ist ein häufiger Grund, als dem Leitungswasserfreunde ihr Wasser filtern. Jedoch ist Kalk keineswegs ungesund oder gefährlich. Dennoch ziehen viele Menschen gefiltertes Wasser vor, um es beispielsweise zur Teezubereitung zu verwenden, da das „weichere“ Wasser häufig als schmackhafter empfunden wird. Mehr zum Thema Kalk im Wasser haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

Wasser filtern entzieht demnach mineralische Nährstoffe wie Magnesium oder Calcium. Zwar nehmen wir über die Nahrung in aller Regel ausreichend Mineralien auf und sind demnach normalerweise nicht auf die Mineralstoffe im Wasser angewiesen. Dennoch spricht vor allem ein Argument gegen den Einsatz eines Wasserfilters: die Gefahr der Verkeimung ist groß.

Werden die Filterkartuschen nicht regelmäßig ausgewechselt, wodurch zudem laufende Kosten entstehen, können sich hier Keime und Erreger vermehren. Das hier Gefahrenpotenzial lauert stellte auch die Stiftung Warentest 2015 fest. Wir berichteten hier im Magazinartikel über die teilweise ernüchternden Ergebnisse der Wasserfilter-Tests.

 

Unser Wasser ist bedenkenlos trinkbar – wenn im eigenen Leitungssystem keine Gefahren lauern!

Teilweise wird von Wasserfilter-Herstellern vor Stoffen im Leitungswasser gewarnt, für die laut Trinkwasserverordnung Grenzwerte festgelegt sind. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass das Wasser filtern nicht notwendig ist, da die geltenden Grenzwerte nur äußerst selten überschritten werden. Das Umweltbundesamt bestätigt dies beispielsweise im regelmäßig erscheinenden „Trinkwasserbericht“, demzufolge das deutsche Trinkwasser im letzten groß angelegten Test die Note „sehr gut“ erhielt.

Das deutsche Trinkwasser, das über die öffentlichen Wasserversorger zur Verfügung gestellt wird, ist demnach bedenkenlos trinkbar. Treten Verunreinigungen auf, folgt eine entsprechende Aufbereitung, so dass davon ausgegangen werden kann, dass das streng kontrollierte Trinkwasser frei von Belastungen in den deutschen Haushalten ankommt. Ist dies in Ausnahmefällen nicht möglich, erhalten die Verbraucher entsprechende Instruktionen und Informationen.

Trotzdem kann das Wasser filtern durchaus notwendig werden, nämlich dann, wenn nicht auszuschließen ist, dass das Leitungswasser in den eigenen Rohrleitungen verunreinigt wird. Hier liegt die tatsächliche Gefahrenquelle. Ab der Wasseruhr geht die Verantwortung für die Qualität des Leitungswasser an den Hauseigentümer über. Wasser filtern ist vor allem dann sinnvoll, wenn Verunreinigungen durch Schwermetalle oder Keime nicht ausgeschlossen werden können, vor allem wenn Babys oder Kleinkinder im Haushalt leben. Schon kleine Dosen Blei können beispielsweise enorme Beschwerden auslösen. Mehr dazu erfahren Sie unter anderem in diesem Artikel zum Thema „Leitungswasser für Babys“.

Wasseranalyse macht Wasser filtern gegebenenfalls unnötig

Wasser filtern oder testen lassen?

Experten raten zur Wasseranalyse

Experten empfehlen daher eine Wasseranalyse des Leitungswassers. Diese bringen schnell Klarheit über die tatsächliche Qualität des Wassers und helfen bei der Entscheidung, ob es m jeweiligen Fall notwendig ist, dass wir unser Wasser filtern. Werden bei einem Wassertest Grenzwertüberschreitungen festgestellt, ist es durchaus sinnvoll, dass wir als Übergangslösung das Wasser filtern. Allerdings bedarf es einer genauen Prüfung der Qualität der in Frage kommenden Wasserfilter. Langfristig müssen jedoch Gefahrenquellen ausgemacht und beseitigt werden. Eine Überschreitung der laut Trinkwasserverordnung geltenden Grenzwerte kann auf veraltete oder qualitativ minderwertige Wasserohre zurückzuführen sein. Sie kann ihren Ursprung jedoch auch in Warmwasseranlagen haben oder beispielsweise durch Stoffe, die sich von den Wasserarmaturen lösen, verursacht werden.

Aus diesem Grund ziehen Experten die regelmäßige Wasseranalyse als langfristige Methode zum Schutz der Gesundheit dem Wasser filtern vor. Finden innerhalb des eigenen Leitungswassersystems keine Belastungen statt, ist das deutsche Trinkwasser bedenkenlos trinkbar und bedarf keiner weiteren Aufbereitung. Wasser filtern macht in diesem Fall nur dann Sinn, wenn aus geschmacklichen Gründen weicheres Wasser gewünscht wird. Hier lohnt vor der Anschaffung jedoch ein Blick in die Testberichte der Stiftung Warentest, denn nicht jedes Modell hält, was es verspricht.

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